Mehr Sicherheit für St. Nikola

Am 15. und 16. April 2019 hat ein verheerendes Feuer Teile der Kathedrale Notre-Dame in Paris zerstört. Damals ist das Thema Brandschutz in Kirchen ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, denn gerade historische Gebäude stellen die Feuerwehren vor große Herausforderungen: Ausgetrocknete Holzbauteile, schlechte Zugangsmöglichkeiten und hohe Räume erschweren Löscharbeiten. Das war auch in der Universitätskirche St. Nikola nicht anders: Der noch aus spätgotischer Zeit stammende Holzdachstuhl über dem Kirchenschiff war nur schwer zu erreichen, die Kirche im Brandfall kaum zu retten gewesen. Seit Herbst 2021 werden dort Stahltreppen eingebaut, um Brandschutz und Begehbarkeit in Turm und Dachraum sicherzustellen.

„Der Holzdachstuhl der Kirche stellte die größte Brandgefahr dar“, erklärt Baudirektor Gerald Escherich, der Leiter des Bereichs Hochbau am Staatlichen Bauamt Passau. Einsatzkräfte der Feuerwehr konnten den Dachraum bisher nur über eine Treppenanlage im Kloster und einen 45 Meter langen Weg durch den Dachraum des Klosters erreichen. So wäre die Kirche im Fall eines Brandes kaum zu retten gewesen.

Die besondere Herausforderung bei dieser Maßnahme war es, Brandschutz und Denkmalschutz unter einen Hut zu bekommen. Durch den Einbau der Treppenanlage im Inneren des Turms wird das Erscheinungsbild nicht beeinträchtigt. Die Arbeiten an der historischen Bausubstanz haben die Mitarbeiter der Dombauhütte des Staatlichen Bauamts Passau übernommen: Sie arbeiteten die Auflager für die Stahltreppe sorgfältig aus dem Naturstein im Turminneren heraus.

Die Treppe im 47 Meter hohen Turm ist zweigeteilt und dient einem doppelten Zweck: Als formschöne Wendeltreppe führt sie bis unter das gotische Gewölbe. Dort wurden 2019 gotische Wandmalereien freigelegt, auf denen die Heiligen Barbara, Katharina und Andreas dargestellt sind. Diese Wandmalerei lässt sich auf das Jahr 1518 datieren und erstreckt sich über vier Schildbogenwände, das Kreuzrippengewölbe sowie die Laibungen des ehemaligen gotischen Zugangs und der Fensteröffnung. Dank der Wendeltreppe können künftig einem interessierten Publikum auch Führungen – nach Anmeldung – zu den restaurierten Fresken angeboten werden.

Vom Zwischengewölbe aus gelangt man über eine historische Stein-Wendeltreppe weiter in den Turmschaft und von dort über eine funktionale Feuerschutztreppe zum Glockenturm und in den Dachraum. Dieser Zugang wurde ausschließlich für die Feuerwehr und das Betriebspersonal geschaffen.

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